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Seit OpenClaw spaltet eine Debatte die Tech-Welt: Sind AI Agents evolution oder aufgewĂ€rmte Automatisierung? WĂ€hrenddessen kauft OpenAI das gröĂte Open-Source Agent-Framework. Die echte Frage stellt kaum jemand: Nicht ob die Technologie funktioniert - sondern wie sie in Unternehmen kommt.
OpenClaw, ein Open-Source-Framework fĂŒr KI-Agenten, hat innerhalb weniger Wochen ĂŒber 168.000 GitHub Stars gesammelt. Millionen Nutzer. Eine eigene Plattform - Moltbook - mit ĂŒber 770.000 Agenten.
Sascha Pallenberg hat einen vieldiskutierten Newsletter geschrieben, in dem er den ganzen Hype zerlegt. Sein Kernargument: Das ist IFTTT auf Steroiden. AufgewÀrmte Automatisierung, verpackt in neue Buzzwords. Auf LinkedIn ist danach eine hitzige Diskussion entstanden - zwischen denen die sagen "das ist die Zukunft" und denen die sagen "das hatten wir alles schon".
Und beide Seiten haben Punkte. Aber beide ĂŒbersehen das Wesentliche.
Denn die eigentlich interessante Entwicklung passiert nicht auf TikTok, wo Leute ihre Morning Briefing Agents zeigen. Sie passiert dort, wo es um den Einsatz in Unternehmen geht - und da sind die Herausforderungen um Welten gröĂer als das, worĂŒber gerade alle reden.
Der Consumer-Hype. Ein groĂer Teil dessen, was gerade als "AI Agents" verkauft wird, ist einfache Automatisierung. Morning Briefings, Kalender auslesen, Newsfeeds zusammenfassen. Das konnte Google Assistant vor Jahren. Aber: Wer hat das Recht, Menschen vorzuschreiben wie sie Technologie nutzen? Experimentieren gehört zur Adoption. So fĂ€ngt es immer an.
Die Sicherheitsprobleme. Die sind real und ernst. Ăber 21.000 öffentlich erreichbare OpenClaw-Instanzen ohne Authentifizierung. 341 bösartige Skills im ClawHub, darunter Supply Chain Attacks. Eine kritische SicherheitslĂŒcke - CVE-2026-25253 - die Remote Code Execution ermöglicht. Leute geben einem AI-System Zugriff auf ihre E-Mails, ihren Kalender, ihre API Keys - und haben keine Ahnung was im Hintergrund passiert. Das ist kein theoretisches Risiko.
Was tatsĂ€chlich möglich ist. Und hier wird die Kritik ungenau, wenn sie sagt, dass es sich nur um die ĂŒblichen KI-Automationen handelt. Ja, Zapier hat AI Steps, Make hat AI-Module - Automatisierungsplattformen nutzen schon lĂ€nger KI-Bausteine. Die Grenze ist nicht schwarz-weiĂ. Aber es gibt einen qualitativen Unterschied: Eine Automation mit AI-Modul ruft ein Modell auf und macht dann weiter im Flow. Ein Agent-System entscheidet selbst welchen nĂ€chsten Schritt es nimmt, basierend auf dem was es gerade gelernt hat. Das ist der Unterschied. Und der funktioniert heute schon.
Kurzer RealitĂ€tscheck, weil die Begriffe gerade wild durcheinander fliegen. Ein Agent ist ein KI-System, das nicht nur antwortet, sondern eigenstĂ€ndig handelt. Es bekommt ein Ziel, entscheidet welche Schritte nötig sind, nutzt Tools, prĂŒft Ergebnisse und passt seinen Plan an wenn etwas nicht funktioniert.
Das allein ist schon ein Unterschied zur klassischen Automation. Aber die eigentliche Entwicklung passiert eine Ebene darĂŒber: Multi-Agent-Systeme, in denen spezialisierte Agenten zusammenarbeiten. Das Prinzip funktioniert wie ein Unternehmen im Kleinen. Ein Orchestrator - eine Art CEO-Agent - analysiert eingehende Aufgaben, zerlegt sie in Teilaufgaben und delegiert an spezialisierte Agenten. Einer recherchiert, einer schreibt, einer prĂŒft die QualitĂ€t.
Das Entscheidende: Diese Systeme können sich weitgehend selbst organisieren. Der Orchestrator definiert eigenstĂ€ndig die Contracts fĂŒr jeden Agenten - was reingeht, was rauskommen soll, welche Grenzen gelten. Am Ende prĂŒft ein Quality Gate autonom, ob das Ergebnis den Anforderungen entspricht - und schickt es bei Bedarf zurĂŒck zur Ăberarbeitung. Der Mensch gibt den initialen Auftrag. Den Rest organisiert das System.
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        â Orchestrator â
        â  (CEO)    â
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       definiert Contracts,
       delegiert, prĂŒft
            â
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  â Research  â â Writer â â Quality  â
  â Agent   â â Agent  â â Agent   â
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   Contract:   Contract:   Contract:
   Quellen â   Input â    Draft â
   Analyse    Draft     Review
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              â Quality  â
              â Gate â/â â
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Die Begriffe dafĂŒr variieren - Agent Teams, Swarms, Multi-Agent-Systems - aber das Prinzip ist dasselbe: Spezialisierung und Arbeitsteilung, wie in einem echten Team. Nur dass die "Mitarbeiter" KI-Systeme sind, die rund um die Uhr verfĂŒgbar sind und in Sekunden skalieren.
In dieser Woche gab es ein starkes Signal, dass solche agentischen Strukturen immer tiefer in unsere KI-Systeme eingebaut werden. Peter Steinberger - der GrĂŒnder von OpenClaw - geht zu OpenAI. Sam Altman persönlich hat es angekĂŒndigt. Zitat: "Peter will drive the next generation of personal agents."
Gleichzeitig wird OpenClaw in eine Open-Source-Stiftung ĂŒberfĂŒhrt, die OpenAI unterstĂŒtzt. Steinberger selbst sagt: "Ich will die Welt verĂ€ndern, nicht eine groĂe Firma bauen."
Das ist kein Zufall. Das ist ein Signal. OpenAI holt sich nicht irgendeinen Entwickler - sie holen sich den Mann, der das am schnellsten wachsende Open-Source-Projekt der Geschichte gebaut hat. Und sie positionieren sich damit fĂŒr die nĂ€chste Phase: Agents nicht als Consumer-Spielzeug, sondern als Infrastruktur.
Und sie sind nicht allein. Anthropic hat mit Claude Code und dem Agent SDK massiv in Agent-Tooling investiert. Google baut an eigenen Agent-Frameworks. Gartner prognostiziert: 40% der Enterprise Apps werden bis Ende des Jahres task-spezifische AI Agents haben. Hoch von unter 5% letztes Jahr.
Der Consumer-Hype auf LinkedIn und TikTok? Das ist die OberflĂ€che. Darunter entsteht gerade das Ăkosystem fĂŒr den Enterprise-Einsatz. Und das ist eine fundamental andere Herausforderung.
Was wir gerade in der Praxis sehen: Es gibt bereits Unternehmen, die extrem agil sind und mit Multi-Agent-Systemen in explorativen Phasen arbeiten. Nicht theoretisch, sondern als Proof of Concept. Und daraus lernt man einiges.
Die erste Erkenntnis: FĂŒr eine Einzelperson funktionieren diese Systeme schon richtig gut. Der Sprung von einer Person zu einem Team - das ist eine komplett andere Liga. Und genau an dieser Grenze stehen gerade die meisten Unternehmen.
Context Management. Ein persönliches System kennt den Kontext relativ einfach. Aber was ist mit dem Kontext einer ganzen Abteilung? Zwanzig Leute mit unterschiedlichen Rollen, unterschiedlichem Wissen, unterschiedlichen Arbeitsweisen. Wie stellen wir sicher, dass der Agent im Marketing-Team nicht mit dem Wissensstand der Rechtsabteilung antwortet - oder umgekehrt?
Security und Compliance. Das ist fĂŒr Unternehmen der Showstopper. Rollen, Berechtigungsstufen, Datenschutz, regulatorische Anforderungen. Wir können nicht jedem Agent Zugriff auf alles geben. Die 21.000 offenen OpenClaw-Instanzen zeigen: Im Consumer-Bereich denkt da kaum jemand drĂŒber nach. In einem Unternehmenskontext ist das nicht verhandelbar.
Interfaces. Nicht jeder will oder kann mit Claude Code arbeiten. Die Frage ist: Wie binden wir Agenten in Systeme ein, die Menschen tatsĂ€chlich nutzen? Plattformen wie Langdock bauen genau diese BrĂŒcke - zwischen der rohen Agent-Technologie und einer OberflĂ€che, mit der ein Marketing-Team oder eine Rechtsabteilung arbeiten kann. Das ist der Layer, der gerade entsteht - wir können z.B. ĂŒber MCP-Server auch die komplexeren Agenten in Langdock anbinden.
Das sind die Fragen, die entscheiden ob aus dem Hype RealitÀt wird. Nicht: Kann ein Agent mein Morning Briefing machen? Sondern: Wie kriegen wir ein Agent-System in eine Organisation mit 50, 500, 5000 Mitarbeitern? Mit echten Daten, echten Verantwortlichkeiten, echten Konsequenzen wenn etwas schiefgeht.
Der Hype ist real - und er findet aktuell vor allem auf der Consumer-Ebene statt. Leute bauen persönliche Assistenten, experimentieren, zeigen ihre Setups auf Social Media. Das ist in Ordnung. So entsteht Adoption.
Aber der eigentliche Umbruch passiert woanders. Er passiert dort, wo Unternehmen anfangen, diese Technologie ernsthaft einzusetzen. Mit Governance, mit Strategie, mit einem Plan fĂŒr die Integration in bestehende Workflows.
Die Skeptiker haben recht, dass vieles was gerade gehyped wird, simpel ist. Aber sie unterschĂ€tzen fundamental, was passiert wenn diese Systeme in professionelle Kontexte kommen. Und die Enthusiasten haben recht, dass die Technologie transformativ ist - aber sie ĂŒberspringen den schwierigsten Teil: den Rollout in die RealitĂ€t.
Die Frage fĂŒr Unternehmen ist nicht ob AI Agents kommen. Die Frage ist: Wie gut sind Unternehmen vorbereitet?

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