
Member Content
Anthropic hat zum Super Bowl 2026 drei Werbespots veröffentlicht, die auf humorvolle Weise zeigen, wie KI-Chatbots mit Werbung aussehen könnten. Die Spots haben eine ungewöhnlich scharfe Reaktion von OpenAI-CEO Sam Altman ausgelöst - und eine Debatte über die Zukunft von KI-Geschäftsmodellen. Denn OpenAI hat Anfang 2026 angekündigt, Werbung in ChatGPT einzuführen - als erster der großen KI-Anbieter.
Was auf den ersten Blick wie Marketing-Geplänkel aussieht, zeigt bei genauerem Hinsehen eine Marktentwicklung, die für Unternehmen relevant ist: Der KI-Markt differenziert sich - und die Frage "Welches Tool passt zu uns?" wird wichtiger als "Welches Modell ist das beste?"
Der Slogan am Ende jedes Spots: "Ads are coming to AI. But not to Claude."
Spot 1: "Deception"
Eine Gründerin pitcht ihre Startup-Idee. Der Chatbot gibt konstruktive Tipps - und wechselt dann abrupt: "Try Quick Dash Payday Loans. Because girlbosses need SHE-E-O money quick. 400% APR, rates may vary."
Spot 2: "Violation"
Ein Mann fragt nach Tipps, wie er die Kommunikation mit seiner Mutter verbessern kann. Der Chatbot gibt einfühlsame Ratschläge - dann: "Or find emotional connection with older women on Golden Encounters. The mature dating site that connects sensitive cubs with roaring cougars.
Spot 3: "Treachery"
Jemand fragt nach Fitness-Tipps für ein Sixpack. Der Chatbot erstellt einen Trainingsplan - und schiebt nach: "But confidence isn't just built in the gym. Try Step Boost Maxx, the insoles that add one vertical inch of height. Use code HEIGHTMAXXING10."
Sam Altman reagierte auf X mit einer ungewöhnlich scharfen Stellungnahme:
"First, the good part of the Anthropic ads: they are funny, and I laughed. But I wonder why Anthropic would go for something so clearly dishonest. Our most important principle for ads says that we won't do exactly this; we would obviously never run ads in the way Anthropic depicts them."


Dann ging er zum Gegenangriff über: Anthropic bediene nur "rich people" mit teuren Produkten. Anthropic wolle kontrollieren, was Menschen mit KI tun - er verwies darauf, dass Claude Code für Konkurrenten wie OpenAI blockiert sei. Er nannte Anthropics Ansatz einen "dark path". Die Schärfe der Reaktion ist bemerkenswert.
Seit Januar 2026 testet OpenAI Werbung in ChatGPT - zunächst in den USA.
Wer sieht Werbung:
Wer sieht keine Werbung:
Die Anzeigen erscheinen am Ende von Antworten, wenn ein "relevantes Produkt oder Service" zur aktuellen Conversation passt. OpenAI verspricht: Die Antworten selbst werden nicht beeinflusst, Werbung ist klar gekennzeichnet, und bei sensiblen Themen wie Gesundheit oder Politik wird keine Werbung geschaltet.
Für Werbetreibende: Der CPM liegt bei etwa 60 Dollar, das Mindestbudget bei 200.000 Dollar.
Die Entwicklung von Large Language Models und der Betrieb dieser Plattformen ist extrem kapital- und energieintensiv. OpenAI hat bewusst viel Geld ausgegeben, um Marktabdeckung herzustellen - und das erfolgreich. ChatGPT wurde zur am schnellsten wachsenden Consumer-App der Geschichte.
Dieses Muster kennen wir aus Social Media: Erst Reichweite aufbauen, dann monetarisieren. Facebook, Instagram, TikTok - alle haben diesen Weg genommen. Jetzt kommt die nächste Stufe bei KI.
Aber Altman hat in einem Punkt recht: Beide Anbieter verfolgen unterschiedliche Strategien.
OpenAI geht in die Breite - Consumer-orientiert, günstige KI für möglichst viele Menschen. Anthropic fokussiert auf Professional Tools für eine kleinere Zielgruppe: Claude Code, API-Integrationen, Entwickler-fokussierte Modelle.
Dementsprechend können sie unterschiedliche Produktstrategien fahren. Anthropic braucht keine Werbung, weil das Geschäftsmodell anders aufgebaut ist - etwa 85 Prozent des Umsatzes kommen aus Enterprise und API.
In der Vergangenheit haben Unternehmen schnell und gerne zu OpenAI gegriffen, um ein KI-System auszurollen. Das war auch richtig: Größter Anbieter, beste Modelle, beste Plattform, dazu ein Enterprise-Tier speziell für Unternehmensanwender.
Es wird aber zunehmend deutlich, dass OpenAI einen Spagat zwischen Consumer-orientierten Features und professionellen Anwendern versucht.
Die Anzeichen sind sichtbar: Features wie SORA richten sich primär an Consumer. Bei professionellen Anwendungen - etwa im Development-Bereich - hat Anthropic mit Claude Code die Nase vorn. OpenAI hat zwar nachgezogen und Codex veröffentlicht - und seit dieser Woche auch mit eigener App, die schon 1 Mio. Downloads hat - aber das illustriert den Punkt: Der Spagat ist ressourcenintensiv.
Ob er gelingt oder ob OpenAI sich langfristig stärker Richtung Consumer entwickelt, wird sich zeigen. Die Einführung von Werbung ist zumindest ein Indikator für die Richtung.
Im Enterprise-Bereich ist eine Tendenz erkennbar: Unternehmen bewegen sich zunehmend zu spezialisierten Tools.
Das muss nicht Anthropic sein. Plattformen wie Langdock richten sich speziell an professionelle Anwender und Teams - mit Workspace Management, Compliance-Funktionen und europäischem Hosting. Interessanterweise bieten diese Plattformen Zugang zu den Modellen der großen Anbieter, datenschutzkonform gehostet.
Hier zeigt sich eine wichtige Unterscheidung: Das Modell ist nicht das Produkt.
Die großen Sprachmodelle - GPT, Claude, Gemini - stehen über APIs zur Verfügung. Wer heute ChatGPT nutzt und morgen feststellt, dass die Produktpolitik nicht mehr passt, kann auf eine andere Plattform wechseln und hat weiterhin Zugang zu denselben Modellen. Diese Flexibilität ist ein Merkmal des aktuellen Marktes.
Für Unternehmen verschiebt sich damit die Bewertung von KI-Tools.
Die Frage ist nicht mehr nur "Welches Modell ist am besten?" - sondern "Welche Plattform passt zu unseren Anforderungen?" Consumer-orientierte Plattformen und Enterprise-fokussierte Plattformen entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen. Die Modelle dahinter sind oft dieselben.
OpenAI bleibt ein wichtiger Anbieter mit starken Modellen. Aber die automatische Gleichsetzung "KI im Unternehmen = ChatGPT" wird zunehmend hinterfragt. Der Markt differenziert sich - zwischen Consumer und Enterprise, zwischen Plattform und Modell, zwischen Reichweite und Spezialisierung.
Die Einführung von Werbung bei OpenAI ist ein Meilenstein in dieser Entwicklung. Nicht weil Werbung an sich problematisch ist, sondern weil sie signalisiert, welche Richtung ein Anbieter einschlägt.

0 Comments
Login or Register to Join the Conversation
Create an AccountLog in